Heute habe ich ein Lied wieder gehört, das in meiner Jugend in Dauerschleife lief:
„Nichts ist für immer da.“ – Böhse Onkelz.
Und auch wenn man die Onkelz nicht unbedingt mit großen psychologischen Weisheiten verbindet, ist das eines der Lieder, bei denen es sich lohnt, textlich einmal genauer hinzuhören.
Ein Satz, der zunächst nach Abschied klingt.
Wenn man jedoch tiefer hineinhört, geht es um etwas viel Größeres.
Nicht nur wir sind vergänglich.
Auch unsere Gedanken.
Unsere Gefühle.
Unsere Zustände.
Wir wünschen uns oft, dass bestimmte Gefühle endlich verschwinden.
Die Angst.
Der Stress.
Die Traurigkeit.
Die Wut.
Gleichzeitig klammern wir uns an die schönen Momente und hoffen, sie mögen bitte für immer bleiben.
Doch das Leben funktioniert anders.
Kein Gedanke bleibt.
Keine Emotion bleibt.
Kein Zustand bleibt.
Alles verändert sich.
Veränderung ist kein Fehler unseres Nervensystems – sie ist seine Natur.
Am Ende geht es in dem Lied aber noch um etwas anderes:
Was bedeutet Stärke eigentlich?
Viele glauben, Resilienz bedeute, stark zu sein.
Unerschütterlich.
Immer positiv.
Sich nichts anmerken zu lassen.
Ich glaube inzwischen, dass Resilienz etwas ganz anderes ist.
Resilienz bedeutet nicht Härte.
Sie bedeutet Durchlässigkeit.
Dass Gefühle auftauchen dürfen.
Dass Gedanken kommen und gehen.
Dass Stress entstehen darf – und auch wieder abklingen kann.
Nicht weil wir ihn wegdrücken.
Sondern weil wir ihm erlauben, sich zu bewegen.
Das bedeutet allerdings nicht, weich oder beliebig zu sein.
Ein Baum überlebt einen Sturm nicht, weil er starr ist.
Er überlebt, weil er sich bewegt, ohne seine Wurzeln zu verlieren.
Genau das ist der Unterschied.
Durchlässigkeit bedeutet nicht, alles mit sich machen zu lassen.
Sie bedeutet, innerlich beweglich zu bleiben, ohne sich selbst zu verlieren.
Viele unserer Probleme entstehen genau dort, wo wir anfangen, gegen das anzukämpfen, was ohnehin schon da ist.
Wir wollen keine Angst haben.
Wir wollen nicht traurig sein.
Wir wollen nicht nervös sein.
Und plötzlich kämpfen wir nicht mehr nur gegen die Emotion.
Sondern zusätzlich gegen unseren eigenen Körper.
Das kostet unglaublich viel Energie.
Und oft halten wir genau das für Stärke.
Vielleicht ist das einer der größten Denkfehler unserer Zeit.
Denn wenn wir verstehen, dass Gedanken und Gefühle wie Wellen sind, verändert sich etwas.
Die innere Spannung darf nachlassen.
Wir müssen nichts festhalten.
Wir müssen aber auch nichts wegdrücken.
Wir können lernen, alles kommen und wieder gehen zu lassen.
Genau darin liegt für mich Resilienz.
Nicht im Aushalten.
Nicht im Funktionieren.
Sondern darin, mit dem eigenen Körper zu arbeiten statt gegen ihn.
Denn nichts ist für immer da.
Zum Glück nicht die schweren Zeiten.
Aber eben auch nicht die schönen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum jeder einzelne Moment so wertvoll ist.